Zur Person Khaleda Niazi

Foto von Khaleda Niazi

Ich bin im Jahr 1967 in Kabul, Afghanistan, geboren und durfte 18 Jahre dort leben und meinen Schulabschluss an dem berühmten Malalai-Gymnasium machen.

Im Jahre 1985, nach einem kurzen Aufenthalt in Pakistan, wanderte ich nach Frankreich aus. Seit 1986 lebe und arbeite ich in Deutschland und schreibe seit 1992 wieder Gedichte und Essays in Deutsch und Farsi.

1998 bis 2001 habe ich an einem Abendgymnasium der Stadt Frankfurt das Abitur gemacht. Seit 2002 studiere ich Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe Universität.

Nachdem ich nun die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht habe, denke ich deutsch und träume afghanisch. Ich finde, die Mischung macht mein Wesen als Individuum aus. Einer der Glücksmomente meines Lebens war, den Satz von Kant: "Habe Mut dich an deinem Verstand zu bedienen." in Deutsch lesen und verstehen zu können. Ich liebe Sepehri, den iranischen Dichter, für seine Verse: "Auch wenn ich aus dem weit geöffneten Fenster mit den Menschen dieser Region gesprochen habe, konnte ich keinen Satz über die Gegenwart hören."

Ich genieße die überlieferten literarischen Werke der Größten der persischen Sprache. Dennoch bin der Meinung, meine Werke sind Erzeugnisse meiner intellektuellen Auseinandersetzung mit meiner Umwelt und rein empirischer Natur. Die Sprache ist mein Werkzeug. Ich musste früh genüg lernen, dass die Geschichte keinen Boden zum Leben und Denken im Jetzt anbietet. Sie ist wie ein altbewährtes Lexikon zum Nachschlagen, aber keine Lebensgrundlage.

Ich will auch nicht im Einklang mit dem literarischen Monopol Afghanistans denken und arbeiten. Sicher bekomme ich keine Expertise für meine Arbeiten. Mir reicht es vollkommen, wenn ich ab und zu deren Schlummern in der Wiege der Vergangenheit etwas beunruhige.


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